So ereignisarm – fotografisch gesehen – 2023 war, so sehr überschlugen sich geradezu die fotografischen Ereignisse im Jahr 2024.
Im März begann ich ein Abenteuer, mit dem ich schon lange geliebäugelt hatte. Endlich schienen nun die Zeichen gut zu stehen: meine Gruppe im Orchester war endlich komplett und mit gleichermaßen guten wie netten Kollegen besetzt, dazu war endlich einiges an Arbeit abgehakt – kurz: im März meldete ich mich bei der Prager Fotoschule an, für die neue Saison im Herbst beantragte ich Bildungsteilzeit und bekam diese auch nach etwas Hin und Her genehmigt.
Ob dabei die Ausbildung an der Prager Fotoschule die Legitimation der Teilzeit ist oder umgekehrt die Bildungsteilzeit mir die Ausbildung ermöglicht, um die ich so lange Zeit herumgeschlichen war… wahr ist beides. Alle in meinem Umfeld, die sich irgendwann in ihrem Arbeitsleben eine Auszeit genommen hatten, waren sichtbar sehr glücklich damit und auch ich war schon lange entschlossen, so etwas irgendwann zu realisieren. Nach etwas Überlegen wurde es kein vollständiges Sabbatical, sondern eine Reduktion auf 50%.
Und nun ging dies auch noch mit meiner großen Leidenschaft, der Fotografie! Eine Win-Win-Situation sozusagen!
Zur Prager Fotoschule folgt noch ein extra Artikel. Die neu gewonnene zeitliche Flexibilität nutzte ich neben der Fotoschule aber auch für zahlreiche kleine Eskapaden, bei denen ich für einige Tage ins „off“ verschwand, ein beträchtlicher Luxus für jemanden, der in seinem Beruf so gut wie nie echte Wochenenden hat.
Schon im Januar fand endlich die Reise auf die Lofoten statt, auf die ich mich – nach dem anstrengenden und nicht immer erfreulichen Jahr 2023 – lange Zeit gefreut hatte. Es wurde ganz anders als erwartet und dennoch wunderschön. Die ganze Woche tobte ein heftiger Sturm, fast stets mit Windgeschwindigkeiten über 100 km/h. Unser Guide Sven Herdt machte das beste daraus, jagte uns vor die Tür, sobald der Sturm nur etwas nachließ, fand schließlich sogar einen Hauch von Nordlicht am Himmel und so reiste ich ab mit vielen wunderbaren Fotos von den wilden, stürmischen Lofoten.




Wie so oft im Leben werden Wünsche manchmal unerwartet erfüllt: was uns auf den Lofoten an Polarlichtern vorenthalten wurde, kam überraschenderweise zu mir nach Tirol. Unvergessen ist die Nacht des 11. Mai, wo ein helles, leuchtend pinkfarbenes Polarlicht die Tiroler Berge in ein unwirkliches Licht tauchte. Schon in der Pause der Vorstellung hatte ich die Webcams geradezu explodieren gesehen. Wie glücklich war ich, als das Spektakel noch weit darüberhinaus dauerte! Lange nach Mitternacht fiel ich endlich müde ins Bett. Das Ganze wiederholte sich, dank des solaren Maximums, noch einige Male seitdem, aber der 11. Mai blieb ein Highlight. Am 1. Januar des neuen Jahres gelang mir dann sogar am Walchensee mein erstes kleines Timelapse.


Andere Touren führten mich mehrfach nach Südfrankreich, wo ich nun allein verantwortlich bin für unsere kleine Zuflucht in einem südfranzösischen Dorf. Neben Organisatorischem blieb auch hier Zeit übrig, um lang geplante Ausfahrten zu unternehmen, auf der Suche nach bekannten und unbekannten schönen Plätzen. Eine Fahrt führte mich zum nebelverhangenen Mont Ventoux eine andere „natürlich“ zu den Vögeln, den Rosaflamingos der Camargue.


















Halb Ausbildung, halb Ausflug waren die Workshops, die ich neben der Fotoschule bei meinen großen Vorbildern in der Naturfotografie besuchte: bei Jan Lessmann lernte ich in Greifswald ungewöhnliche Schwalbenbilder machen, eindrucksvoll war aber vor allem auch das Herbstwochenende im Val Verzasca, wo Radomir Jakubowski in drei Tagen viel von seinem Wissen mit uns teilte. An die drei Tage in Greifswald hängte ich dann noch – wo ich schon am Meer war – ein paar Tage bei den Basstölpeln in Helgoland an, wo vor Jahren meine fotografische Reise begann.




















Natürlich gab es auch die kurzen Ausflüge in meiner Umgebung, sei es im Ruhrgebiet oder in Tirol, zum Baldeneysee, in die nahen Dolomiten (unvergesslich eine sommerliche Perseiden-Nacht am Lagazuoi), zur wilden Taugl bei Salzburg oder zum Großen Ahornboden – wie immer mit wunderbaren Landschaften und großen und kleinen Tieren.
















Und schließlich: nachdem mein Job in der Musik mit sehr viel weniger Kunst verbunden ist als man annehmen möchte, genieße ich es nun in meiner Auszeit, Kunst, wo es nur geht, aufsaugen zu können. Wo immer möglich besuche ich Museen und Ausstellungen, tausche mich mit meinen Mitstudenten an der Fotoschule über Kunstwerke aus und stelle fest, wie sehr mir das gefehlt hat.
Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Gelegenheit, die Kunstbiennale in Venedig zu besuchen, war seit langem wieder einmal in meinem Lieblingsmuseum, der Albertina in Wien. Natürlich ist die Kamera immer dabei, und jenseits der Öffnungzeiten der Ausstellungen ist dann noch Gelegenheit für einen kleinen Fotowalk durch die Stadt oder zu den kleinen Nischen, die auch im urbanen Raum überraschend viel Natur bieten.





Ganz schön lang ist diese Zusammenfassung geworden! Schön zu sehen, wie ereignisreich das Jahr war – wieviele Dinge neben manchem, was eher belastend war, auch wunderbar waren und Freude bereitet haben. Zur Fotoschule folgt ausführlich noch ein eigener Beitrag – ich bin ja nicht „nur“ herumgefahren, sondern habe in Linz auch viel Neues gelernt und mich gefreut, den Kopf mit viel Input „füttern“ zu können.
In diesem Sinne: auf in ein neues Jahr!
